Erneuerbare Energien: Neue Stärke für Wernigerode und den Landkreis Harz
Denis Mau/ Oktober 20, 2026/ Uncategorized
Erneuerbare Energien bieten Wernigerode und dem Landkreis Harz eine große Chance: auf zusätzliche Aufträge, wirtschaftliche Entwicklung und mehr finanziellen Spielraum vor Ort. Entscheidend ist, dass wir den Ausbau so gestalten, dass die Menschen in unserer Region davon profitieren.
Ich sehe darin eine Zukunftsaufgabe für unsere Kommunen. Wer heute klug in die regionale Energieversorgung investiert, kann Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke miteinander verbinden. Eine neue Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und seiner Partner macht deutlich, welches Potenzial darin steckt.
Mehr Wertschöpfung für die Regionen
Die am 23. April 2026 vorgestellte Untersuchung beziffert die bundesweite direkte Wertschöpfung durch Windenergie und Photovoltaik für 2023 auf rund zehn Milliarden Euro. Werden die Ausbauziele erreicht, könnte sie bis 2033 auf etwa 21 Milliarden Euro jährlich steigen. Der mögliche Anteil, der in den Standortregionen verbleibt, wächst dabei von bis zu 5,5 auf bis zu 12,4 Milliarden Euro pro Jahr. [1]
Diese Wertschöpfung umfasst unter anderem Unternehmensgewinne, Nettoeinkommen der Beschäftigten und Steuern. Die Milliardenbeträge sind deshalb keine reinen Einnahmen der kommunalen Haushalte. Sie beschreiben ein bundesweites Szenario; was einzelne Projekte in Wernigerode oder im Landkreis Harz beitragen können, muss jeweils konkret berechnet werden. [2]
Dardesheim zeigt, was im Harz möglich ist
Besonders ermutigend finde ich, dass eines der untersuchten Praxisbeispiele direkt aus unserer Region stammt: Dardesheim, ein Ortsteil von Osterwieck. Die Studie beschreibt, wie der Ausbau der Windenergie am Druiberg mit finanzieller Beteiligung der Bevölkerung und der Unterstützung gemeinnütziger Vorhaben durch einen Förderverein verbunden wurde. [2]
Für mich ist das ein guter Ausgangspunkt für den gesamten Landkreis: Wir haben Erfahrungen vor Ort, auf denen wir aufbauen können. Gute Lösungen lassen sich weiterentwickeln und an die Bedingungen anderer Städte und Gemeinden anpassen.
Wernigerode hat bereits gute Anknüpfungspunkte
Auch Wernigerode bringt konkrete Erfahrungen mit. Die Stadtwerke nutzen für ihre Photovoltaikanlagen beispielsweise Dächer am Unternehmenssitz und den Trinkwasserhochbehälter Burgbreite. Das zeigt, wie vorhandene Gebäude und technische Anlagen für die örtliche Stromerzeugung genutzt werden können. [3]
Ein weiteres Beispiel ist das 2025 eröffnete GWW-Sonnenhaus. Dort kommen Photovoltaik und Solarthermie zum Einsatz; die Stromerzeugung auf dem Dach ist einzelnen Wohnungen zugeordnet. Damit wird sichtbar, wie die Nutzung erneuerbarer Energien auch im kommunalen Mietwohnungsbau verankert werden kann. [4]
Ich wünsche mir, dass wir solche Erfahrungen systematisch auswerten: Welche Lösungen bewähren sich im Alltag? Wie entwickeln sich Betriebskosten und Energieverbrauch? Und was lässt sich wirtschaftlich auf weitere Gebäude übertragen?
Meine Erfahrung: Mit dem E-Auto günstiger unterwegs
Auch meine persönliche Erfahrung zeigt, wie sich der Umstieg im Alltag lohnen kann: Für den Fahrstrom meines E-Autos zahle ich bisher nur noch etwa ein Viertel dessen, was ich beim Benziner für Kraftstoff ausgegeben habe. Meine Energiekosten für die Mobilität sind damit um rund 75 Prozent gesunken.
Für mich macht das deutlich: Klimafreundliche Mobilität kann eine spürbare finanzielle Entlastung bringen. Deshalb möchte ich, dass möglichst viele Menschen Zugang zu alltagstauglichen und bezahlbaren Möglichkeiten erhalten – auch ohne eigene Lademöglichkeit zu Hause.
Die Vorteile müssen bei vielen Menschen ankommen
Für mich gehört zur Energiewende eine klare soziale Frage: Wer kann mitmachen, und wer profitiert? Eine eigene Dachanlage oder ein finanzieller Anteil an einem Energieprojekt ist für viele Haushalte keine realistische Möglichkeit.
Deshalb halte ich Mieterstrom, verständliche Beteiligungsangebote und wirtschaftlich tragfähige lokale Strommodelle für wichtige Ansätze. Kommunale Unterstützung sollte gezielt dort helfen, wo Einkommen und eigene Investitionsmöglichkeiten begrenzt sind. Mein Maßstab ist, dass auch Menschen mit kleinem Geldbeutel einen spürbaren Vorteil erhalten.
Zusätzliche kommunale Erträge würde ich vorrangig für dauerhaft wirksame Aufgaben einsetzen: für den Erhalt unserer Infrastruktur, für Bildung und für eine moderne Verwaltung. So kann regionale Energieerzeugung der gesamten Stadtgesellschaft zugutekommen.
Vier Aufgaben für Wernigerode und den Landkreis Harz
Aus diesen Chancen leite ich vier kommunalpolitische Prioritäten ab:
- Geeignete Dächer systematisch prüfen. Schulen, Verwaltungsgebäude, Wohnhäuser und Gewerbebauten sollten anhand von Zustand, Strombedarf und Wirtschaftlichkeit bewertet werden.
- Regionale Beteiligung früh mitplanen. Stadtwerke, Wohnungsunternehmen und Bürgerenergieinitiativen sollten bei neuen Vorhaben frühzeitig zusammenkommen und tragfähige Modelle entwickeln.
- Investitionen sorgfältig rechnen. Für kommunale Projekte brauchen wir belastbare Berechnungen zu Finanzierung, Betrieb, Instandhaltung und Risiken. Das schützt öffentliche Mittel und schafft Vertrauen.
- Fortschritte öffentlich sichtbar machen. Eine übersichtliche digitale Darstellung sollte zeigen, welche Anlagen entstehen, wie viel Energie sie erzeugen und welchen wirtschaftlichen Nutzen sie vor Ort bringen.
Dabei gehören Netze, Speicher und ein verlässlicher Betrieb von Anfang an zur Planung. Ebenso brauchen wir passende Standorte und einen sorgfältigen Umgang mit Natur, Landschaft und unserem historischen Stadtbild.
Eine Zukunftschance, die wir gemeinsam nutzen können
Ich möchte, dass Wernigerode und der Landkreis Harz diese Entwicklung aktiv gestalten. Mit kommunaler Verantwortung, unternehmerischem Know-how und echter Beteiligung können wir dafür sorgen, dass ein größerer Teil des wirtschaftlichen Nutzens hier bleibt.
Die Energiewende bietet uns die Chance, unsere Region aus eigener Kraft zu stärken: mit sauberer Energie, guten wirtschaftlichen Perspektiven und Vorteilen, die im Alltag der Menschen ankommen.
Quellen
- IÖW: Ausbau erneuerbarer Energien: Wertschöpfung in den Regionen könnte sich bis 2033 verdoppeln. 23. April 2026.
- Berlin-Institut, IÖW und IW Consult: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien. Studie, veröffentlicht 2026; insbesondere Kapitel 3.1.1 zu Dardesheim sowie Anhang 7.1.1 zur Definition der Wertschöpfung.
- Stadtwerke Wernigerode: Photovoltaik – Stromgewinnung aus der Kraft der Sonne. Unternehmensinformationen, abgerufen am 20. Oktober 2026.
- Stadt Wernigerode: GWW-Sonnenhaus eröffnet!. 8. April 2025; Pressemitteilung der GWW.